Die Heilige
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Nächste Versammlung: 29.08.2017

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Die heilige Gertrud von Nivelles

Die heilige Gertrud von Nivelles (auch von Brabant) lebte im 7. Jahrhundert (626-659, Lebensdaten nicht eindeutig gesichert) und steht historisch am Übergang des merowingischen zum karolingischen Frankenreich. Sie entstammt einer karolingischen Familie, ihr Vater war Pippin von Landen, und sie ist die Ururgroßtante des späteren Kaisers Karl dem Großen.
Vermutlich gehen ihre frühe Verehrung und die damit verbundenen Patronate bis ins 11. Jahrhundert auf diese Herkunft aus der karolingischen Linie zurück. Das Herrschergeschlecht hatte damit sozusagen eine bedeutende Figur in ihren Reihen, auf die es sich zu zeigen lohnte. Hatte Gertrud doch maßgeblichen Einfluss auf die Festigung des christlichen Glaubens und die Ausprägung klösterlichen Lebens im Frankenreich. Ihre Mutter Itta (aus Iduberga) war aus Aquitanien und ihr wird nachgesagt, Gertrud erzogen zu haben. Beide Frauen waren von einem innigen, starken Glauben geprägt. Die Geschichten berichten von der legendären Absage Gertruds an ihre Freier. Sie widersetzte sich dem Wunsch ihres Vaters und König Dagoberts I., einen angesehenen Herzog zu ehelichen. “Nur Christus will ich!”, soll ihre Antwort gewesen sein. Itta wandelte später ihr Witwengut in ein Kloster um, es gilt als das erste Frauenkloster nördlich der Alpen. Nach dem Tod der Mutter wurde Gertrud erste Äbtissin des Klosters in Nivelles (652) und dort nach ihrem eigenen Tod auch beigesetzt und bis heute verehrt.

Gute Beziehungen zu missionierenden irischen Mönchen und zur römischen Kirche ließen das Niveller Kloster zu einer Keimzelle christlichen Glaubens im sich neu formierenden Europa werden. Zahlreiche wichtige Schriften gelangten durch Gertruds Initiative aus Irland und Rom nach Nivelles. Über Gertrud wird auch die römische Liturgie im Frankenreich eingeführt. Lesen und Studieren der heiligen Schrift sowie fromme Feier prägten das Leben Gertruds und ihres Klosters. Doch die Aktivitäten blieben nicht auf das Innenleben beschränkt, sondern Gertrud lenkte ihre Aufmerksamkeit auch auf Hilfsbedürftige außerhalb der Klostermauern. Sie soll das erste Xenodochium, eine Pilgerherberge, gegründet haben. Gertrud gilt heute noch als Patronin der Reisenden.

In ihrer Legende werden zahlreiche Wunder zu Lebzeiten wie auch nach ihrem Tode berichtet, die sie als Retterin aus Seenot und anderen misslichen Lagen beschreiben. Im Spätmittelalter zur Zeit der Hanse lebte ihre Verehrung neu auf. Zahlreiche Kirchen und vor allem Hospitäler wie auch Sterbehospize, die sich der Sorge um Reisende, Kranke und Sterbende annahmen, wurden ihr geweiht. Ihr Todestag, der 17. März, und die damit verbundene Verehrung verbinden sich seit altersher mit dem Frühjahrsbeginn und der Garten- und Ackerbestellung. In der Ikonographie findet sich als häufigste Darstellung Gertrud mit Mäusen oder anderen Nagern am Gewand, zu Füßen oder am Äbtissinnenstab krabbelnd wieder. Zur Abwehr solcher Plagen, die die Feldarbeit bedrohen, wurde und wird Gertrud auch angerufen. In ihrer Hinwendung zu Kranken und Reisenden liegt wohl auch der Grund für den lange gängigen Brauch der Gertrudenminne. Das größte bekannte Gertrudbildnis - Standbild auf der Gertraudenbrücke nahe des Spittelmarkts in Berlin von Rudolf Siemering - zeigt sie als gute Helferin, die einem Wanderburschen einen Krug reicht.

Als Vorgängerin des Erneuerers und Einigers Europas, Karls des Großen, erscheint sie in ihrem Leben und Wirken heute selbst als eine bedeutende Persönlichkeit, die den Ehrennamen “Mutter der Kirche in Europas Frühzeit” zu tragen verdient. Auch heute noch führt ihre Verehrung zur Begegnung von Menschen und ist damit fruchtbar. Die seit 1957 bestehende Freundschaft zwischen den Gertrudgemeinden in Nivelles und Wattenscheid, der sich inzwischen zahlreiche andere angeschlossen haben, führt alljährlich viele Menschen verschiedener Regionen Europas bei der Tour Sainte Gertrude und darüber hinaus zusammen. Seit einigen Jahren gibt es in Nordost-Brasilien sogar der Heiligen aus Brabant geweihte Kapellengemeinschaften, die der aus Wattenscheid stammende Pfarrer Heinrich Hegemann in seiner dortigen Gemeinde ins Leben gerufen hat.